Mit welchen Pollen man nun rechnen muss
Autoren:
Dr. Markus Berger1–3
Lukas Dirr, MSc3–5
1 HNO-Abteilung, Klinik Landstraße,
Wiener Gesundheitsverbund
2 Allergiezentrum Wien West
3 Österreichischer Polleninformationsdienst
4 Institut für Botanik, Universität Innsbruck
5 Abteilung für Strukturelle und Funktionelle Botanik, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien
E-Mail: markus.berger@pollenresearch.com
Kälteeinbruch und Regen hatten die Pollenbelastung stark gebremst. Mit Ostern stiegen nun die Temperaturen stark und damit steigen nun die Pollenbelastungen durch Esche, Forsythie und Birke.
Ein kurzer Rückblick
Als sich Mitte März die Wetterbedingungen verbesserten, begann die Esche zu blühen. In den Niederungen Österreichs kam es zu einem rapiden Anstieg der Eschenpollenkonzentrationen und auch sehr bald zu ersten Belastungsspitzen. Auch Pappel, Eibe und Zypressengewächse nutzten die warmen Tage, um große Mengen Pollen freizusetzen. In der zweiten Märzhälfte erreichten erste Birken die Blühbereitschaft und sorgten an den stürmischen Tagen vor dem Wetterumschwung lokal bereits für sehr hohe Belastungen. Der Kälteeinbruch bremste die Pollenfreisetzung abrupt ab und der Regen wusch Pollen kurzfristig aus der Umgebungsluft. Den Pollenallergiker:innen bescherte diese Kaltwetterfront Entlastung.
Was nun kommt: Esche, Forsythie und Birken
Die Esche hat noch nicht ihr gesamtes Blühpotenzial ausgeschöpft. Basierend auf dem fünfjährigen Mittel unserer Datenreihen ist zu erwarten, dass es noch bis in die erste Aprilhälfte zu relevanten Pollenkonzentrationen kommen kann. Ende April kann dann die Manna-Esche erneut für Eschenpollen in der Luft sorgen. Da sie anders als ihre Verwandten von Insekten bestäubt wird, ist die Belastung jedoch meistens deutlich geringer. Dennoch sollten Allergiker:innen diesen häufig in Parks angepflanzten Baum meiden.
Das gilt auch für die Forsythie. Sie ist mit der Esche verwandt und kann bei Personen, die auf deren Pollen sensibilisiert sind, Kreuzreaktionen hervorrufen. Deshalb ist es auch ratsam, auf die dekorativen Forsythienzweige als Schmuck in Innenräumen zu verzichten.
Auch die Birken haben bereits in vielen Teilen des Landes zu blühen begonnen und zu Ostern für die erste hohe Belastungsspitze gesorgt. Betrachtet man den Kätzchenbesatz dieser Bäume, so ist bundesweit eine überdurchschnittlich hohe Kätzchendichte zu beobachten. Erreichen die Temperaturen in den Niederungen 10°C oder mehr, muss mit Pollenflug gerechnet werden. Da für Anfang April bereits über 20°C prognostiziert werden, ist daher auch mit sehr hohen Belastungen bei Birkenpollenallergiker:innen zu rechnen. Sensibilisierte Personen sollten daher Aktivitäten im Freien sehr gut planen, allergenvermeidende Vorkehrungen treffen und an die Mitnahme einer geeigneten Notfallsmedikation denken.
Pollentagebuch erleichtert Diagnose
Da es häufig zu einer Überschneidung der Eschen- und Birkenblüte kommt, kann die Diagnose des auslösenden Allergens erschwert werden. Pollenallergiker:innen wird daher geraten, die auftretenden Beschwerden zu dokumentieren, um die Diagnose zu unterstützen. Hierfür hat der Österreichische Polleninformationsdienst das Pollentagebuch als Online-Fragebogen entwickelt. Auf der Website ( https://pollentagebuch.at/Phd/ ) oder in der Pollen+- App können individuelle Beschwerden den unterschiedlichen Organkomplexen (Augen, Nase, Lunge) zugeordnet sowie die eingenommene Medikation als auch der Zeitpunkt und Ort der höchsten empfundenen Symptome angegeben werden. Das Pollentagebuch bringt diese Informationen mit der regionalen Pollenbelastung in Verbindung. Mithilfe einer persönlichen Beschwerdekurve kann ein Zusammenhang zwischen Beschwerden und Pollenflug sichtbar gemacht werden. Auch während einer laufenden Therapie kann das Pollentagebuch weitergeführt werden, um den Effekt für die Betroffenen zu visualisieren, aber auch um den Therapieerfolg zu kontrollieren. Die Ergebnisse aus dem Pollentagebuch werden anonymisiert und in Form einer Tagesbelastung sowie einer Belastungslandkarte auf www.polleninformation.at dargestellt, um Betroffenen Allergiker:innen einen weiteren Informationskanal bieten zu können.
Nicht sicher, ob eine Allergie vorliegt – dann Risikofragebogen und App
Personen, die noch nicht sicher sind, ob sie an einer Pollenallergie leiden, wird der Risikofragebogen des Österreichischen Polleninformationsdienstes ( https://www.polleninformation.at/services/allergierisiko-fragebogen ) ans Herz gelegt. In wenigen Minuten kann anonym eine Risikobewertung erfolgen und dem Nutzer als Motivation dienen, eine Diagnose vom Allergologen durchführen zu lassen.
Für detailliertere Informationen zum Pollenflug in Österreich konsultieren Sie gerne die kostenlosen Services des Österreichischen Polleninformationsdienstes. Entweder über polleninformation.at oder die Pollen+-App (verfügbar Android und iOS).
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