Jahresbericht 2025 – Schweizerische Gesellschaft für Sportpsychiatrie und -psychotherapie (SGSPP)
Autor:
PD Dr. med. Christian Imboden
Präsident SGSPP Direktor Psychiatrische Dienste
Chefarzt Erwachsenenpsychiatrie
Solothurner Spitäler AG (soH)
E-Mail: christian.imboden@spital.so.ch
Die SGSPP stärkte 2025 ihre interprofessionelle Ausrichtung, erweiterte die Mitgliedschaft, förderte Weiterbildung, Forschung und Vernetzung und engagierte sich im Leistungs- wie im Breitensport.
Die SGSPP hat sich an ihrer Mitgliederversammlung in Chur dazu entschieden, die Kriterien für eine ordentliche Mitgliedschaft neben Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie auf psychologische Psychotherapeut:innen auszuweiten. Auch Psycholog:innen und Ärzt:innen in Weiterbildung zu den entsprechenden Fachtiteln können ordentliche Mitglieder in der SGSPP werden. Der Vorstand sieht dies als wichtiges Zeichen, um die Sportpsychiatrie und -psychotherapie als interprofessionelles Fachgebiet abzubilden sowie das Engagement von jungen Berufskolleg:innen anzuerkennen und zu fördern. Anlässlich einer Vorstands-Retraite im Mai wurden die Schwerpunktthemen der SGSPP geschärft. Die SGSPP fokussiert sich darauf, regelmässige Weiter- und Fortbildungen sowohl im eigenen Curriculum als auch durch die Jahrestagung sowie eine Präsenz am PSY-Kongress anzubieten. Des Weiteren fördert sie den Austausch zwischen Fachpersonen, die sich sportpsychiatrisch betätigen, und unterstützt Mitglieder im Aufbau entsprechender Angebote. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Berufsgruppen, die sich mit psychischer Gesundheit im Sport befassen, soll aktiv gepflegt und ausgebaut werden, insbesondere in Bezug auf ein Mental-Health- Screening für Athlet:innen.
Themenfelder wie die Förderung des Journals Sports Psychiatry, Unterstützung wissenschaftlicher Projekte inklusive Masterarbeiten und Dissertationen werden weitergeführt. Die Website soll verschlankt werden und vermehrt über LinkedIn kommuniziert werden.
«Exercise is Medicine»
Die Initiative «Exercise is Medicine» (EIM) verfolgt das Ziel, körperliche Aktivität als Teil einer multimodalen Behandlung in der Gesundheitsversorgung zu verankern. Zielgruppen sind Patient:innen mit Erkrankungen, für welche eine Evidenz für positive Effekte von körperlicher Aktivität besteht, Menschen mit chronischen Erkrankungen inklusive psychischer Erkrankungen sowie Risikogruppen mit erhöhten gesundheitsrelevanten Risiken. Die Firma Ecoplan erarbeitete 2024 im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) den Referenzrahmen für eine Verschreibung von Sport und Bewegung als Teil der Gesundheitsversorgung in der Schweiz. Die SGSPP war durch Christian Imboden in der Begleitgruppe vertreten. Im Rahmen der im Februar 2025 von Bundesrat und Parlament beschlossenen Sparmassnahmen kann das BAG sein Engagement für EIM leider nicht mehr weiterführen.1 Es hat aber beschlossen, den Referenzrahmen trotzdem zu publizieren2 und so für die weitere Entwicklung des Themas durch Institutionen und Stakeholder eine Grundlage zu bieten. Trotz dieser bedauerlichen Entwicklung wird sich die SGSPP zu diesem wichtigen Thema weiter engagieren.
Mitgliederentwicklung
2024 konnten wir 9 Neumitglieder willkommen heissen, 2 Personen sind aus der SGSPP ausgetreten. Die SGSPP verfügt somit über eine stabile Mitgliederbasis und zählt aktuell 90 natürliche Personen und 7 Institutionen als Mitglieder.
Veranstaltungen
Ende Februar fand die Jahrestagung der SGSPP in der Klinik Waldhaus Chur der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR) statt. Die Tagung befasste sich mit dem relativen Energiedefizit im Sport (RED-S) und beleuchtete präventive Aspekte, Behandlung sowie spezifisch sportpsychiatrische Aspekte aus verschiedenen Blickwinkeln, auch einer Athletin.
Die SGSPP hat am PSY-Kongress in Basel erneut ein gut besuchtes Symposium zu verschiedenen sportpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Themen veranstaltet und war an der 3. International Conference on Sports Psychiatry (ICSP) in Salzburg vertreten. Die 5. ICSP wird am 8. und 9. Mai 2026 durch die SGSPP ausgerichtet und im Psychiatriezentrum Münsingen stattfinden (siehe Box).
Leistungssport
Auch im Bereich des Leistungssports engagierten sich SGSPP-Mitglieder 2025 in der Weiterentwicklung spezialisierter Versorgungsangebote. In Kooperation mit Swiss Cycling führt Prof. Dr. med. Michael Liebrenz (Universität Bern) eine sportpsychiatrisch-psychotherapeutische Spezialambulanz für Athlet:innen des Nationalkaders, die Ende 2023 initiiert wurde.
Im Zentrum stehen die Abklärung und Behandlung psychischer Belastungen durch Michael Liebrenz und sein Team. Die Sprechstunde ist dabei in ein interprofessionelles Netzwerk mit Sportmedizin und Sportpsychologie eingebettet, wobei Interdisziplinarität und externe Zusammenarbeit im Vordergrund stehen.
Das Angebot stiess auch international auf Interesse, unter anderem im Umfeld der UCI und internationaler Fachmedien, und wird als Beispiel für spezialisierte sportpsychiatrische Versorgung im Radsport wahrgenommen. Die SGSPP begleitet solche Initiativen aus den Reihen ihrer Mitglieder durch fachlichen Austausch und Vernetzung. Vertreter des Vorstandes sind zudem in engem Kontakt mit der Sportpsychologie des Bundesamtes für Sport (BASPO), um gemeinsame Projekte wie ein Mental-Health-Screening für Leistungssportler:innen aufzubauen. Ein gemeinsam erarbeitetes Screeningtool wird derzeit in einer Kooperation zwischen dem BASPO und der Universität Bern (Lead: M. Liebrenz) wissenschaftlich untersucht.
Kommunikation
Über die Website und den Verteiler informieren wir regelmässig über anstehende Veranstaltungen und Projekte unserer Mitglieder und Partnerorganisationen. Neu sind wir auf LinkedIn aktiv, mit dem Ziel, unsere Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und den fachlichen Austausch anzuregen. Häufig erreichen uns Anfragen zu Therapieplätzen für Athlet:innen oder Beratung von Angehörigen; die Erstellung einer übersichtlichen Suchfunktion für sportpsychiatrische Angebote in der Schweiz ist eines unserer nächsten Ziele der SGSPP-Kommunikation.
Sports Psychiatry – Journal of Sports and Exercise Psychiatry
Auch im Jahr 2025 konnte sich Sports Psychiatry erfreulich weiterentwickeln. In insgesamt vier Ausgaben wurden wissenschaftliche Arbeiten zu verschiedensten sportpsychiatrischen Themen publiziert. Der Inhalt von Sports Psychiatry war auch 2025 international und spiegelte die Vielfalt des Fachgebiets wider.
Besonders hervorzuheben ist, dass Sports Psychiatry in der Rubrik Conference Reports im Jahr 2025 erneut Berichte von bedeutenden nationalen und internationalen Konferenzen der Sportpsychiatrie sowie ihrer Themenfelder veröffentlicht hat. Dies verdeutlicht beispielhaft die zunehmende Bedeutung, die Sports Psychiatry innerhalb des Fachgebiets und darüber hinaus erlangt hat.
Wie bereits in den Vorjahren konnte sich Sports Psychiatry auch 2025 auf ein internationales Editorial Board stützen, in dem Vertreter der wichtigsten sportpsychiatrischen Netzwerke sowie nahezu alle führenden Sportpsychiaterinnen und Sportpsychiater weltweit vertreten sind.Für das Jahr 2026 sind erneut vier Ausgaben geplant, mit einem inhaltlichen Fokus auf unterschiedliche Themenfelder der Sportpsychiatrie und -psychotherapie. Sports Psychiatry ist das offizielle Organ sowohl der SGSPP als auch der International Society for Sports Psychiatry.
Curriculum «Sportpsychiatrie und -psychotherapie»
Es fanden 4 Fortbildungstage in Romanshorn statt, welche gut besucht waren. Eine systematische Evaluation zeigte eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden. Das SGSPP-Curriculum für Sportpsychiatrie und -psychotherapie (Stufe I) wird auch 2026 weitergeführt, mit wiederum 4 Tagen, welche auch einzeln besucht werden können. Details zum Programm sowie die Anmeldung sind auf der Website der SGSPP ersichtlich (sgspp.ch).
Ressort Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Arbeitsgruppe Gewalt und Missbrauch im Leistungssport der SGSPP
Die Tätigkeit der Arbeitsgruppe Gewalt und Missbrauch beschränkte sich 2024 auf den systemischen und interprofessionellen Umgang mit Gewalt und Missbrauch im Leistungssport. Der 2023 auf Initiative von Marcel I. Raas gegründete Verein Sport Kultur trieb die praktische Umsetzung in den drei Kernbereichen Krisenintervention, Öffentlichkeitsarbeit und Workshops aufgrund von Finanzierungslücken kaum voran.
Wünschenswert und denkbar ist, dass sich die Arbeitsgruppe 2026 reaktiviert und sich neben Gewalt und Missbrauch im Leistungs- und Breitensport auch wenig erforschten sowie kaum adressierten Themen zuwendet. Spielsucht, Spielwetten und Spielmanipulationen: Diese Phänomene betreffen vulnerable Gruppen, insbesondere Kinder und Jugendliche mit biografischer Fixierung auf Sport, durch Spielsucht-Werbung, mangelnde digitale Altersverifikation und omnipräsente Bewerbung von Glücksspielen. Die anzustrebende Aufklärung und Sensibilisierung sowie Anregung zu Präventionsarbeit verschränkt sich dabei mit Fragen digitaler Souveränität und Cybersecurity. Ein umfassender, multiprofessioneller Ansatz mit strategischen Koalitionen mit Sport-, Sucht- und Kinderschutzorganisationen sowie spezialisierten Fachstellen für digitale Sicherheit wäre dazu erforderlich.
4th International Conference on Sports Psychiatry (ICSP)
8.–9. Mai 2026, Psychiatriezentrum Münsingen (PZM)
Melden Sie sich jetzt für die 4. ICSP an.
Eine Veranstaltung der SGSPP in Kooperation mit der Deutschen (DGSPP) und der Österreichischen (ÖGSPP) Gesellschaft für Sportpsychiatrie und -psychotherapie.
Um eine Teilnahme über die Sprachgrenzen hinaus und international möglich zu machen, findet der Kongress auf Englisch statt.
Literatur:
1 Bundesamt für Gesundheit (BAG). Stellungnahme des Bundesamtes für Gesundheit (bag) zum Bericht «Exercise is Medicine – Referenzrahmen für die Schweiz» 2025: https://www.prevention.ch/article/publikation-des-referenzrahmen-exercise-is-medicine-f%C3%BCr-die-schweiz#:~:text=Stellungnahme%20des%20BAG 2 Ecoplan, im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Exercise is Medicine (EIM) – Referenzrahmen für die Schweiz, Bern, 2025: https://www.prevention.ch/article/publikation-des-referenzrahmen-exercise-is-medicine-f%C3%BCr-die-schweiz#:~:text=des%20BAG%20ver%C3%B6ffentlicht.-,zum%20Referenzrahmen,-Weitere%20Themen
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